Das «System» @KueddeR – Mäzen oder Zerstörer?

Mit seinem Artikel zum Phanömen @KueddeR hat Medienwoche-Redaktor Ronnie Grob eine Debatte ausgelöst, die so leidenschaftlich geführt wird, wie sie zum Teil unergiebig ist. Es gab dazu mehrere Wortmeldungen und auch Blogeinträge, etwa von Philippe Wampfler und Claude Longchamp. Beides übrigens keine Journalisten, so wie KueddeR nach eigenen Angaben auch keiner ist. Damit sollen deren Beiträge keineswegs geschmälert werden (das wäre reichlich dumm von mir, da ich selber auch kein Journalist bin). Es soll lediglich darauf hingewiesen werden, dass diese Wortmeldungen gegenüber dem NewsMän (@KueddeR über @KueddeR) eher gnädig ausfallen. Dagegen etwa beurteilt der Journalist Andreas Gossweiler die Leistungen des anonymen Linkmäzenen deutlich kritischer.

Jedenfalls hat man, verfolgt man die Diskussionen, das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Es scheint, als sprächen die Akteure nicht über dasselbe. Ist es vielleicht sogar so?

Zu den Schwierigkeiten, vernünftige Bezahlmodelle für Onlinemedien zu entwickeln, werde ich mir mangels Kenntnis nicht äussern. Zum wirtschaftlichen Schaden oder eventuell sogar Nutzen, den das «System @KueddeR» den Schweizer Medienverlagen beschert, ebensowenig. Dieser kurze Blogeintrag soll somit keine Analyse liefern und auch nicht Position beziehen, sondern schlicht eine Frage aufwerfen.

Jeder professionelle Journalist bezieht Geld für seine Leistung. Und seine Leistung besteht nun mal darin, Texte zu verfassen. In einer Zeit, in der jeder potenziell «Journalist» spielen und mit mehr oder weniger grossem Aufwand Texte mehr oder weniger überzeugender Qualität ins Netz stellen und via Social Media propagieren kann, verliert das Berufsbild des Journalisten in den Augen mancher Leute an Trennschärfe. Aber nur, wenn man ausser Acht lässt, dass ein Journalist in aller Regel nicht einfach eine Person ist, die das Glück hatte, in einer Redaktion eine Anstellung zu finden und dort gegen Bezahlung ihrem Hobby zu frönen. Journalismus ist Knochenarbeit, und manchmal fragt man sich schon fast, warum sich Leute sowas überhaupt noch antun.

Das Resultat ihrer Arbeit sind dann die Texte, die Eingang finden in den redaktionellen Spalten unserer Medien. Und wie es halt so ist mit Produkten, die mit einem gewissen Aufwand produziert und bereitgestellt werden: Als Kundin oder Kunde bezahle ich einen bestimmten Betrag, um dieses Produkt zu nutzen oder zu erwerben.

Die Bezahlung für die geleistete Arbeit ist – etwas salopp formuliert – der Weg, mit dem sich professionelle Journalisten von den ganzen Feierabendbloggern unterscheiden (wobei es auch den Journalisten natürlich unbenommen bleibt, in ihrer Freizeit zu bloggen). Denn die Bezahlung ist die Gegenleistung für die Mühen, die man auf sich nimmt, um den gewünschten Beitrag in einer möglichst hohen Qualität abzuliefern.

Es gibt zweifellos Blogs von hoher Qualität, sogar solche, die nicht von Journalisten gepflegt werden. Und dennoch hat die Vorstellung, dass diese Art der unbezahlten Publizistik die hergebrachten Medien völlig verdrängen könnte, etwas Erschreckendes an sich. Es ist also richtig, dass Journalisten für ihren Job entlöhnt werden. Es geht wie gesagt nicht nur um die materielle Existensicherung, sondern die Bezahlung ist mit ein Mittel, um sich in dieser vielfältigen Medienwelt zu positionieren.

Nun also zu der angekündigten Frage: Kann es nicht sein, dass manche Journalisten so feindselig auf die Gratiskultur eines @KueddeR reagieren, weil er ihr Selbstverständnis als Berufsleute radikal in Frage stellt, wenn er ihre Erzeugnisse grosszügig unter dem Volk verteilt? Ist es – unabhängig vom wirtschaftlichen Fortbestand der Medienverlage und deren Angebot – nicht gerade das Skandalon @KueddeRschen Handelns, dass er die professionelle Medienarbeit ihrer Selbstvergewisserung beraubt, indem er ihre Erzeugnisse gleichsam zur Shareware oder Freeware degradiert?

Wie gesagt. ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht, und vielleicht ist sie auch völlig irrelevant. Aber ich wollte sie trotzdem gestellt haben.

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3 Responses to Das «System» @KueddeR – Mäzen oder Zerstörer?

  1. Anonymous sagt:

    Ich kenne keine Journalisten, und ich kenne ein paar, die @KuedderR s Dienst nicht schätzen würden. Er leistet, was das wettbewerbliche Verlagswesen gar nicht anbieten könnte. Mehrwert auch für zahlende Abonnenten.

  2. Markus sagt:

    Ob Deinem Verständnis von Journalismus musste ich herzlich lachen. Als Propaganda-Heini beim Bund solltest Du es eigentlich besser wissen!

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