Immer dieses Schwurbeln

Kürzlich wurde mir eine grosse, wenn auch reichlich unverdiente Ehre zuteil. Ein namhaftes Schweizer Periodikum (Name bekannt) hatte beschlossen, einen Artikel zum Thema „Social Media-Aktivitäten durch Medienstellen“ zu bringen. Und da ich inzwischen eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Twitter vorweisen kann, wenn auch meine Verlautbarungen in aller Regel kaum mehr als harmloses Geplappere beinhalten, wurde ich tatsächlich auserwählt, als Fallbeispiel zu fungieren. Die Ehre war für mich umso grösser, als besagtes Periodikum zu meiner Jugendzeit (vor über 20 Jahren) mein Vorvorwochenende mit anregenden Artikeln bereicherte. In letzter Zeit freilich hatte ich nur noch wenig Gelegenheit, dieses Medium zu lesen. Dennoch: Es war für mich schon ein emotional befrachteter Moment, als ich – im Nachhinein – erfuhr, dass meine Person für würdig erachtet wurde, im Blatt behandelt zu werden.

Der Autor des mich betreffenden Artikels, Felix M. Hefti – für Freunde „Fixu“ (Name geändert) -, legte sich mit vorbildlicher Akribie ins Zeug. Gerade in Zeiten, in denen allenthalben über mangelnde Recherchekapazitäten in Schweizer Medien geklagt wird, scheute Herr Hefti weder Mühe noch Aufwand, um die Fakten zusammenzutragen. In mühevoller Kleinarbeit zählte er, wertete er aus, lokalisierte und datierte er meine sämtlichen Tweets, dass es eine Freude war. Das hatte dann aber freilich zur Folge, dass er erst relativ spät, unmittelbar vor Redaktionsschluss, Gelegenheit hatte, mich zu kontaktieren. Da er mich im Büro nicht erreichen konnte, wählte er den naheliegenden Weg: Mich über eine Direktnachricht auf Twitter anzuschreiben (Herr Hefti ist einer meiner treusten Follower).

Dazu muss man wissen, dass die Institution, für die zu arbeiten ich die Ehre habe (XY, Name bekannt), an just jenem Tag einen grossen Event durchführte, so dass Herr Hefti davon ausgehen musste, dass ich mich daselbst aufhalten würde, was seine Anstrengungen, mich zu konsultieren, massiv erschwert hätte. Also fragte er – wie gesagt via Twitter-Direktnachricht -, ob ich denn auch an besagter Veranstaltung anzutreffen sei. Da ich aber ein verlängertes, wenn auch reichlich unverdientes Wochenende auf dem Lande verbrachte, antwortete ich ihm mit folgenden Worten (ich dachte übrigens, es ginge um den besagten Event, nicht um mich):

Nein, ich habe mir frei genommen. Aber mein Kollege Ernst Aebi (Name geändert) ist vor Ort und ebenso hilfsbereit. :-)

So musste also der Artikel ohne meine Stellungnahme erscheinen.

So weit, so unproblematisch, denn es bedurfte angesichts der Seriosität der geleisteten Arbeit gewiss nicht noch meiner unmassgeblichen Ergänzungen.

Und dann erschien endlich der Artikel. Darin stand unter anderem (Hervorhebungen von mir):

„Sie (die Medienstelle der XY; DM) war am Dienstagnachmittag aber verwaist, weil beide Mediensprecher an einer XY-Veranstaltung im Berner Kursaal weilten. Von dort verschickte Menna, wie konnte es ­anders sein, fleissig Tweet um Tweet.“

Leider wurde mir dadurch vor Augen geführt (wieder einmal, ich gestehe es), dass meine übertrieben schwurbelige Ausdrucksweise mehr Verwirrung stiftet, als dass sie Klarheit schaffen würde. Offensichtlich hatte Herr Hefti mein

Nein, ich habe mir frei genommen. Aber mein Kollege Ernst Aebi (Name geändert) ist vor Ort und ebenso hilfsbereit. :-)

so interpretiert:

Ja.

Und so ist es also geschehen, dass sich in dem Artikel, über den ich mich so hätte freuen können, durch mein eigenes Unvermögen und meinen Hang zum Prätentiösen eine kleine – glücklicherweie lässliche – Ungenauigkeit einschleichen konnte. Ich hoffe, dass dadurch die Behandlung eines so relevanten Themas keine Beeinträchtigung erfahren hat.

Nachtrag

Eine kleine Nebensächlichkeit, deren Erwähnung eigentlich nicht unnötig  ist, weil der Artikel sonst als Musterbeispiel für saubere Recherche in den Schulbüchern aufgenommen werden sollte: An jenem Tag fand im Berner Kursaal gar keine XY-Veranstaltung statt. Dafür im Kulturcasino. Aber was macht das schon für einen Unterschied. In einem so umfangreichen Artikel kann sich durchaus auch einmal eine kleine Ungenauigkeit einschleichen.

Nachtrag 2, wichtig:

Die Angabe „Bern“ ist korrekt. Und damit auch das Wesentliche.

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7 Responses to Immer dieses Schwurbeln

  1. Sandrastrazzi sagt:

    Was bin ich froh, dass Du Dich nicht von Inquisitorenblatt aus der Bahn bringen lässt!

  2. Untrueandnew sagt:

    Dienstag oder Wochenende? Weiterer Fehler im Zeitschriftenartikel oder Fehler im Blog oder bloss ein anderer Wochenrythmus?

    • Daniel Menna sagt:

      Ich schrieb: Verlängertes Wochenende. Mein Standard-Wochenende beinhaltet übrigens auch den Montag.

  3. Michael Gerber sagt:

    Hat sich der Journalist Christoph Landolt oder die Weltwoche nach deinem Blogpost bei dir gemeldet? Mich interessieren beide Seiten der Geschichte.

  4. Pingback: Die Sache mit den Stöckchen » Sachen halt

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