Die Sache mit den Heerscharen von Kommunikationsprofis

Liebevolle kleine Polemik an die Adresse unserer Journalisten, geschrieben von einem natürlichen Feind.

Es geht ein Wehklagen um im Schweizer Blätterwald. Beinahe schon im Wochenrhythmus meldet sich ein entnervter Journalist oder Chefredaktor zu Wort, um das üble Gebaren der Kommunikationsarbeiter und PR-Leuten zu beklagen. Diese Legionen von (offenbar immer) gut bezahlten Informationsverhinderern zerstören die Berichterstattung, weil sie die Journalisten nicht an ihre Informationen gelangen lassen. In diesem Blog war schon das eine oder andere Mal davon die Rede.

Ich verstehe diese Aufregung. Wer lässt sich schon gern Steine in den Weg legen? Es wäre doch alles viel einfacher, wenn der Journalist rasch zum Telefonhörer greifen und dank raffinierter Fragetechnik einem Amtsdirektor, Bundesrat oder Konzernchef verfängliche Insiderinformationen abluchsen könnte. Aber nein: Man kommt ja nicht an die Menschen ran. Denn da sind ja die Heerscharen … etc.

Bei allem Verständnis: Ab und zu muss ich dabei an Bob Woodward und Carl Bernstein denken. Was für ein Glück, dass die beiden damals noch nicht gegen diese superprofessionellen, hochbezahlten und allgegenwärtigen Presseberater zu kämpfen hatten. Andernfalls wäre wohl der Watergate-Skandal nie aufgeflogen, dafür ein paar hübsche Kolumnen in der »Washington Post« entstanden, in denen sich »Woodstein« über die bösen Kommunikationsprofis beklagt hätten.

Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir aber auch eine andere Möglichkeit in Erwägung ziehen: Vielleicht hätten Woodward und Bernstein in den »Informationsverhinderern« auch einfach nur das gesehen, was sie sind: Part of the game. Vielleicht wäre die Vorstellung, diese Heerscharen zu bezwingen, für die beiden einfach eine der vielen Herausforderungen gewesen, die ihren Job so richtig interessant (heute würde man sagen: »spannend«) machen. Vielleicht hätten sie die Zeit, die sie zur Verfügung haben, eher dazu genutzt, an die Fakten zu gelangen, als dazu, sich darüber zu beklagen, dass man sie nicht ranlässt.

Und vielleicht haben sie genau all das getan.

Der Schweizer Journalist Christof Moser schrieb vor einer Weile, er betrachte die Kommunikationsfachleute nicht als Partner, sondern als Gegner. Meine erste Reaktion gegen diese Aussage war damlas ein Abwehrreflex, betrachte ich mich selber doch eher als Dienstleister, weniger als Informationsverhinderer. Aber inzwischen muss ich sagen: Moser hat absolut recht. Kommunikationsbeauftragte sind (sehr häufig) Gegner der Journalisten, mit einem Auftrag, der ihren Interessen zuwiderläuft.

Also, liebe Journalisten: Hört auf, zu beklagen, dass ihr Gegner habt, sondern versucht einfach, sie auszudribbeln. Lasst euch nicht einlullen, lasst euch nicht einschüchtern, lasst euch nicht abwimmeln. Macht einfach euren Job.

Oder anders gesagt: Wer will schon einen Fussballer, der nur dann Tore schiesst, wenn der gegnerische Torhüter pennt?

Nachtrag (11.2.2014)

Man kann über die vielen gemeinen Kommunikationsfuzzis jammern. Oder aber: Man lässt sich weder einschüchtern, noch vereinnahmen, sondern zieht sein Ding durch.  Für die zweite Option entschied sich unlängst die «Berner Zeitung», hier nachzulesen.

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3 Responses to Die Sache mit den Heerscharen von Kommunikationsprofis

  1. roland wyss sagt:

    Einerseits bin ich einverstanden: Die Kommunikationsleute machen ihren Job, die Journalisten machen ihren Job. Andererseits erlebt man manchmal als Journalist, dass ein direktes Gespräch mit dem Chef ganz unkompliziert und erhellend sein kann. Doch dann kommt das Problem Firmensprecher: Dieser/diese schwächt ab, streicht raus, schreibt um, bis von dem Unkomplizierten und Erhellenden nicht mehr viel übrig bleibt. Das kann zwei Ursachen haben: Entweder der Chef ist ein schlechter Kommunikator, weil er nicht weiss, was er wie sagen kann und was nicht (das ist schlecht, ein Chef sollte das immer können), oder er lässt einfach seinem Sprecher den Spielraum, den PR-Stuss reinzudrücken – die Folge ist jedenfalls, dass man sich als Journalist über den Sprecher ärgert, nicht über den Chef.

    • Daniel Menna sagt:

      Richtig. Aber wie der Nachtrag, den ich soeben eingefügt habe, zeigt, darf dieses Sichärgern nicht der Schlusspunkt sein.

      • roland wyss sagt:

        Richtig – im prinzip. De facto ist es eine frage von ressourcen, von zeitdruck, von gewichten und abwägen.

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