Natürliche Feinde – Grüsse von der „dunklen Seite“

Journalisten sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Einst noch der Aufklärung verpflichtet, dem Aufdecken von Missständen und der möglichst objektiven Berichterstattung, sind sie inzwischen nur noch auf der Suche nach dem billigen Primeur, haben nichts anderes im Sinn, als Verantwortungsträger in Verwaltung und Wirtschaft mit billigen Tricks über den Tisch zu ziehen. Dramen müssen her, Konflikte, am liebsten gleich Skandale. Glücklich der Journalist, der von sich behaupten kann, schon einmal einen Bundesrat, Nationalbankpräsidenten oder Armeechef abgeschossen zu haben. Das ist die neue Elite unserer Medienzunft. Kommunikationsarbeiter sind da natürlich ein Dorn im Auge. Sie entstammen oft derselben Zunft der Journalisten und können somit deren Angriffe abwehren, denn sie kennen die Tricksereien und üblen Spielchen der Medienschaffenden. Kein Wunder, gelten sie den Journalisten als „natürliche Feinde“ (David Sieber in der „Schweiz am Sonntag“ vom 10.11.2013, Link, zur Verfügung gestellt durch @KueddeR), die es nicht nur nicht braucht (Ronnie Grob in der Medienwoche, http://medienwoche.ch/2013/11/05/exklusiv-gelenkte-information/), sondern angeblich schädlich sind für die demokratisch so essentielle Aufklärung der Bevölkerung. Die meisten Journalisten sind allerdings vermutlich eh nur neidisch auf die ehemaligen Kollegen, die es geschafft haben, die Seite zu wechseln.

Alles blanker Unsinn? Gewiss. Es sei denn, man pickt sich ein paar wenige Vertreter der Medienszene, die diesen Klischee-Vorstellungen entsprechen (es könnte sein, dass es solche gibt), und macht daraus den „typischen Journalisten“. Aber das wäre unredlich und auch nicht sonderlich hilfreich. Solche Pauschalurteile bedienen nur Ressentiments und bilden die Realität nicht in vernünftiger Weise ab.

Kurioserweise ist es aber – die angeführten Beispiele zeigen es, und es sind beileibe nicht die einzigen – kein Problem, wenn die Medienschaffende in ähnlich pauschalisierende Weise über jenes angeblich wüste Konglomerat herziehen, das aus „PR-Leuten“, „Lobbyisten“ und „Kommunikatonsarbeitern“ besteht. Was lesen wir da alles? Diese Kommunikationsleute „müssen ihre Firma, ihr Amt, ihren Bundesrat möglichst auf Hochglanz poliert ‚verkaufen'“ (Sieber) und natürlich zu „bemuttern, beschneiden, beaufsichtigen“ (Grob). Sie sind selbstverständlich nicht dafür da, Informationen zu liefern und die Journalisten bei ihren Recherchen zu unterstützen, sondern sehen ihren Lebenszweck darin, zu verschleiern, zu verhindern, zu verkaufen, in die Irre zu führen. Das Bild, das sich nach der Lektüre solcher Wortmeldungen ergibt, ist der eingangs dargelegten Charakterisierung der Journalisten ich seiner Pauschalität nicht unähnlich.

Damit das klar ist: Wenn es darum geht, dass Medienschaffende zu Zwecken der PR instrumentalisiert werden, so ist es an den Journalisten, sich nicht darauf einzulassen. Wenn die Kommunikationsabteilungen primär dem Zweck dienen, den Informationsfluss  nach ihren Vorstellungen zu lenken und den unbezahlten Raum in den Zeitungen als Gratis-Inseratefläche zu missbrauchen, ist das ganz sicher kein Ruhmesblatt – für die Kommunikationsleute, die so handeln, ebenso wenig wie für die Journalisten und Redaktionen, die sich auf diese Weise einspannen lassen.

Die verallgemeinernde Herabsetzung der Kommunikationsfachpersonen als zwielichtige, hinterlistige Gestalten lässt aber ausser Acht, dass zahlreiche dieser Personen ihre Hauptaufgabe darin sehen, den Journalisten dabei zu helfen, an ihre Informationen zu kommen. Nicht jeder Kommunikationsfritze steht im Sold eines mächtigen Staats- oder Wirtschaftslenkers. Watergate ist nicht überall (und Woodstein übrigens auch nicht). Manche von uns sorgen einfach nur dafür, dass anfragende Medienschaffende die gewünschten Zahlen, Fakten oder Auswertungen rasch, auf unkomplizierte Weise und in verständlicher Sprache erhalten. Das passt natürlich nicht in das Bild der übermächtigen PR-Leuten, denn es ist völlig unaufgeregte Routine. Die Arbeit solcher Kommunikationsfachleute dient übrigens auch dazu, jene Leute zu entlasten, die für etwas anderes ihr Geld beziehen, als etwa einen halben Tag zu investieren für ein TV-Statement, das u.U. nicht mehr als 10 Sekunden dauert (oder ganz herausgeschnitten wird).

Es ist mir klar, dass Sieber und Grob nicht jene unbedeutenden, einflusslosen kleinen Kommunikationspersonen wie den Verfasser dieser Zeilen im Auge haben, wenn sie von den bösen Gegnern, Feinden und dergleichen mehr schreiben. Tatsache aber ist, dass wir einen nicht unbeträchtlichen Anteil – wenn auch keinen sehr spannenden – jener Kommunikationsmaschinerie ausmachen, die angeblich dieses freie Land zugrunde richten wird.

Das nur mal am Rande erwähnt.

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