Die Sache mit den Stöckchen

Lang ist’s her, da warfen mir @nggalai (Sascha Erni, rb.) und @msxy2 (Holzhacker Chnuschti) je ein Blogstöckchen zu. Mit unverzeihlicher Verspätung liefere ich jetzt die Antworten. Und formuliere am Ende ein paar Fragen für Twitterer, die ich später festlgen werde.

Nggalai

Leisten Blogger journalistische Arbeit? Falls ja, weshalb? Falls nein, weshalb nicht?

Wenn ein Blogger einen Text nach den Regeln journalistischer Kunst und gemäss dem entsprechenden Berufsethos verfasst, sehe ich keinen Grund, darin etwas anderes zu sehen als journalistische Arbeit.

Blogger, die PR betreiben (etwa in Firmenblogs, aber auch in Blogs von Politikerinnen und Politikern), leisten keine journalistische Arbeit.

Blogger, die den Blog als Spielwiese, öffentliches Tagebuch oder literarischen Kanal begreifen, leisten keine journalistische Arbeit.

Was genau ist Twitter für Dich, beziehungsweise wie setzt Du es ein?

Twitter ist für mich dreierlei: Ein Mittel, um interessante Menschen, denen ich im Leben wohl nie begegnen würde, kennenzulernen, und ein Kanal, um mich in einer begrenzten Öffentlichkeit zu äussern. Interessant sind dabei Aspekte wie: Konfrontation mit Meinungen, die von den Meinigen abweichen, sowie die Selbstpositionierung und -inszenierung (wie ist das Verhältnis zwischen @MadMenNa und Daniel Menna?).

Zudem nutze und schätze ich Twitter zur Kontaktpflege mit Journalistinnen und Journalisten.

Liefert die Schweizer Presse heute tatsächlich einen »linksgedrehten Systemjournalismus«?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke schon, dass die politischen Affinitäten von Journalisten eine Rolle spielen können. Aber ich unterscheide nicht zwischen linken und rechten Journalisten, sondern zwischen guten und schlechten. Bei der Bearbeitung von Fakten und Hintergründen wird sich ein guter Journalist nicht durch politische Ansichten konditionieren lassen. Er wird sich aber vielleicht in seiner Themensetzung auf bestimmte Weise entscheiden. Es mag sein, dass mehr Journalisten eher Mittelinks- als rechtsbürgerliche Anschauungen haben, aber das ist wohl keine Verschwörung, sondern hängt eher mit dem Menschentypus zusammen, der sich für diesen Beruf entscheidet, zusammen.  Ausserdem könnte ich mir vorstellen, dass es in Zukunft vermehrt Journalistinnen und Journalisten geben wird, die eher mit der bürgerlichen Mitte sympathisieren.

Bist Du eine Hunde- oder eine Katzenperson?

Ohne zu zögern: Katzenmensch. (Ich grüsse an dieser Stelle Pommel und Maunzi. Juhuu …)

Für wie relevant hältst Du Deinen eigenen Blog beziehungsweise Deine eigenen Blogs?

Nicht ansatzweise relevant.  Ich erhebe beim Bloggen gar nicht diesen Anspruch. Mein Blog ist für mich ein Raum, in dem ich gewisse Gedanken festhalten kann. Er kann dabei vielerlei sein: Spielwiese, Raum für ernsthaftere Gedanken, Aufarbeitung von Erlebten wie hier und hier und so fort. 

Holzhacker Chnuschti

Wenn du nochmals von vorne beginnen müsstest und du wärst gezwungen, einen anderen Beruf auszuüben, welchen würdest du wählen?

Schriftsteller.

Würdest du dich von einem Vampir beissen lassen (mit dem Umstand, dass dich nur noch Tageslicht töten kann)?

Nein. Ich sähe darin keinen Vorteil, dafür mehrere gewaltige Nachteile (keine Sonne, ewig so weitermachen).

Wenn du ein Dinner mit Barack Obama, dem Dalai Lama und Wladimirowitsch Putin haben könntest, mit wem würdest du speisen und warum?

Mit Putin. Da ich ein verkrachter Schriftsteller bin (s. oben), interessieren mich dunkle, dämonische Figuren eher als vermeintliche oder tatsächliche Lichtgestalten.

Glaubst du, dass deine Präsenz auf Social Media für dich persönlich bedenkenlos ist? Oder überlegst du dir manchmal, dass du mit deinen Publikationen eine Hypothek schaffst?

Ich würde das als kalkulierbares Risiko betrachten. Aber es ist natürlich schwer zu sagen, was die Zukunft so bringt. Ich versuche, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gesittet zu geben, damit ich wenigstens nicht sehenden Auges ins Unglück renne.

Glaubst du, dass das Schweizer Volk durch die Medien politisch manipuliert wird?

Nein. Ich würde die Macht der Medien in Hinblick auf die Manipulierbarkeit der Bevölkerung auch nicht überbewerten. Als der „Blick“ vor ein paar Jahren einen dezidierten Anti-Blocher-Kurs fuhr, hatte das keine negativen Auswirkungen auf den Erfolg der SVP. Ausserdem glaube ich auch nicht an irgendwelche Verschwörungstheorien. Medienkonzerne sind profitorientierte Unternehmen, keine Propagandamaschinen. Das gilt übrigens auch für die vielgescholtene SRG.

Und jetzt meine Fragen an @mentions

  1. Hat dich Twitter schon dazu veranlasst, die eine oder andere Position zu überdenken?
  2. Für wen schreibst du deinen Blog?
  3. Findest du Menschen, die zu Fondue Rotwein trinken, befremdlich, bzw.: könntest du mit solchen Menschen befreundet sein?
  4. Welche Rolle spielt für dich die lokale Berichterstattung (Lokalzeitungen + Webeiten, Lokalradio und -TV)?
  5. Immer wieder heisst es, das Internet mache die herkömmlichen Medien obsolet. Trotzdem ist es für viele Menschen eine grosse Sache, wenn sie in der Zeitung oder im TV erscheinen. Was glaubst du, warum ist das so?
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3 Responses to Die Sache mit den Stöckchen

  1. Pingback: Ein Stöckchen in Ehren kann niemand verwehren… Oder so… | abhijit bossotto

  2. Chirac isst Bohne sagt:

    In den Antworten zur ersten Frage sehe ich aber einen gewissen Widerspruch zwischen i) und ii) sowie iii), insofern i) sich auf die journalistische Arbeit als einen einzelnen Text bezieht, in ii) und iii) dagegen die journalistische Arbeit nicht nur auf einen einzelnen Blog, sondern auf die gesamte Textproduktion einer Bloggerin beziehungsweise sogar auf ihre Person in der Rolle einer Textproduzentin zu verweisen scheint.

  3. Pingback: Das «Sachen-halt-Stöckchen» | Frau W.

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